Künstlerisches Konzept

Es soll ein Museum mit überregionalem Charakter geschaffen werden, in dem ein breites Feld an unterschiedlichen Ausdrucksformen in den Vordergrund gestellt wird. Dabei werden Architektur, visuelle Kunst (bei der ein Gegenstand zu einem ausdrucksstarken Bild verwandelt wird) und Design (bei der eine Idee zu einem funktionellen und ästhetischen Gegenstand verwandelt wird) mit dem Begriff des >Mobiliars< Priorität haben. Kunst sollte in verschiedenster Form ein Widerhall der zeitgenössischen Realität sein; dieses Grundprinzip wird der Leitfaden für die Politik des Museums sein.

Dabei werden vier verschiedene Aspekte unterschieden:

  • Autonome Kunst
  • Kunst an Ort und Stelle
  • Angewandte Kunst (mit zentralem Augenmerk für Möbel in einem experimentellen und innovativenZusammenhang)
  • eine Mischung aus autonomer und angewandter Kunst

Um dieses Ziel zu erreichen, sollen auch andere künstlerische Disziplinen unter Beachtung eines hohen Qualitätsstandards berücksichtigt werden, wie etwa Musik, Film, Dichtung, Performance und Theater, Fotografie etc. Die Ausgangspunkte für die Entwicklung von Programmgestaltung und Profil des Museums sind nicht auf die rein >künstlerischen< oder kunstgeschichtlichen Themen beschränkt, sondern sollen auch als philosophische, soziologische, kulturelle und wirtschaftliche Fragen betrachtet werden.

Die Behandlung dieser breit gestreckten Themenfelder ist erforderlich, damit eine Verbindung zwischen Kunst und (Möbel)Design hergestellt werden kann. Der konzeptionelle Ansatz des (Misch)Konzepts unter Berücksichtigung der o.a. Aspekte soll dazu dienen, unterschiedliche Bereiche und Aspekte der Gesellschaft sowie der Kunstwelt zu betrachten und zu untersuchen.

In gewisser Weise ist dies ein postmoderner Ansatz; es werden vielfältige Themen berührt - alles kommt zusammen in einem scheinbaren Chaos. Es gibt jedoch klar gezeichnete Linien, die dem Publikum bei der Orientierung zur Seite stehen. Das Museum möchte sich eher als Kultur- denn als Kunsteinrichtung positionieren. Wie zuvor bereits angedeutet, setzt dies voraus, dass eine Reihe von sekundären Aktivitäten entwickelt wird

Dazu gehört auch, dass versucht wird, ein Klima zu schaffen, das neue Dynamiken und neue Initiativen generieren kann. Dies kann auch durch verschiedene Kooperationsformen mit anderen Kultureinrichtungen, wie z.B. dem Art Kite Museum und Literaturbüro in Detmold, der Kunsthalle Bielefeld und dem Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück erreicht werden.

Profil des Museums
Dieses Museum soll an einem festen Profil festhalten, es soll wagen, >gegen den Strich< zu gehen und nicht bloß den neuesten Hypes zu folgen. Es soll sich konsequent entlang der vorgezeichneten Leitlinien entwickeln und dies unter Wahrung eines ständigen Dialogs mit dem Kultursektor und der politisch-gesellschaftlichen Szene. Eines der Ziele besteht darin, die deutsche Kunst in einen internationalen Kontext einzubringen. Es soll ein Bezugsrahmen werden, der das Publikum mit den verschiedenen Standpunkten konfrontiert, die es gerade in der internationalen Kunstwelt gibt. Auf dieser Ebene solle es als Pionier für die Region agieren, Kontakte auf internationaler Ebene knüpfen und einen Ruf als Institution aufbauen, die für Qualität und Professionalität steht. Dies bedeutet aber nicht, dass der lokale Zusammenhang ignoriert wird.

Sammlung
Wie zuvor bereits angedeutet, liegt eine der Hauptaufgaben des Museums - neben der Wahrung der Interaktion mit Kunstgewerbe und verbundenen künstlerischen Disziplinen - in der Akquisition von zeitgenössischer Kunst. Dies soll durch direkte Akquisitionen und Schenkungen gewährleistet werden. Dies umfasst aktive Prospektion in Künstlerateliers in Deutschland und im Ausland, die Einrichtung eines Netzwerks von internationalen Kontakten, die den Informationsaustausch erleichtern werden. Die Lücken in der Sammlung können in einer späteren Phase mit ständigen Leihgaben aus Privatsammlungen gefüllt werden. Die Akquisitionspolitik sollte strukturell und auf eine beständige Reaktualisierung der bestehenden Sammlung ausgerichtet sein, die als solche nie gänzlich abgeschlossen sein wird. Die Sammlung kann als solche nicht auf Repräsentativität ausgerichtet sein, obwohl sie unterschiedliche Ensembles von Werken umfassen wird, die symptomatisch für Entwicklungen der letzten vier Jahrzehnte sind.

Sie wird auf einer starken Vision und nicht nur auf einer rein formalistischen Auswahl beruhen. Dies bedeutet nicht, dass die Akquisitionen einzig und allein auf dem subjektiven Urteil des Direktors basieren werden. Sie müssen das Ergebnis eines systematischen Ansatzes sein. Es ist beabsichtigt, sich auf die Arbeiten von Künstlern zu konzentrieren, die nach 1955 geboren sind und die aus einem starken Anliegen für die Aktualität entstanden sind. Die Akquisitionen werden lediglich eine Referenz auf autonome Arbeit enthalten, die repräsentativ für das heutige Aufkommen neuer Modelle und Paradigmen und für die Kunstwerke sind, die in Verbindung mit der Welt von Gegenständen, Möbeln und Design stehen. Amerikanische, europäische (aus Ost und West) wie auch nicht-westliche Künstler kämen in Betracht.

Was die autonome Kunst betrifft, sollen drei breit angelegte >Bewegungen< in der Sammlung >illustriert< werden. Kunst, bei welcher der Nachdruck vorrangig auf die Phantasie, die starke Vorstellungskraft gelegt wird, welche die Realität übersteigt und zur Schaffung oder Evokation künstlicher Realitäten führt. Dies könnte mit der körperlichen Erfahrung verknüpft werden - wie in der Arbeit von Matthew Barney, Jimmy Durham, Maria Roosen, Elke Kruystefek, Tracey Rose, Steve Mc Queen, Thierry De Cordier - aber auch mit der Umwelt und dem Umfeld, in denen der Künstler lebt und arbeitet, wie etwa Gert Robijns, Bodys Isek Kingelez, Thomas Hüber, Silke Schatz, Gregor Schneider, Pascale Martine Tayou und Thomas Hirschorn.

Kunst, bei welcher der Nachdruck auf den Alltag gelegt wird, auf die häuslichen Aspekte des Lebens. Der Künstler könnte diese Realität dokumentieren oder beschreiben, aber er kann sie auch kommentieren oder kritisieren, das eigene allgemeine oder politische Engagement zum Ausdruck bringen. In diesem Zusammenhang denkt man umgehend an Beispiele wie Kendell Geers, Philippe Ramette, Carsten Höller, N. Hirakawa, Sislej Xhafa, Alberto Garrutti, Rineke Dijkstra, Candida Höfer, Annette Messager, Sven´t Jolle, Meshac Gaba und Peter Santino.

Kunst, die sich auf rein plastische und ästhetische Evokation konzentriert. In dieser Hinsicht kommen Arbeiten von Avery Preesman, Bettina Bach, Katharina Grosse, Jessica Diamond, Charly Steiger usw. in Betracht. In diesem Zusammenhang ist es von außerordentlicher Bedeutung, dass der Ausgangspunkt bereits durch die Dauerleihgabe der Sammlung von Karl Kerber, Bielefeld erfolgt ist.

Es handelt sich dabei um Unikate und Editionen, die eine Auseinandersetzung mit den wesentlichen Entwicklungen der 70er und 80er Jahre ermöglicht (z.B. Werke von Sigmar Polke, Gerhard Richter, Stanley Boxer, Bernd Koberling, Maria Zerres, Reinhard Lange, Susanne Teupe, A. R. Penck). Die Sammlung kann ein Bindeglied zwischen der unmittelbaren Vergangenheit und der Gegenwart darstellen, wobei dieser Grundbaustein keine Einschränkung bedeutet im Hinblick auf die Fokussierung auf die Kunst von heute.

zurück